Die Steinwand des Lebens
- Markus Heinzer

- 15. März
- 1 Min. Lesezeit
nie perfekt, niemals fertig
Die Steine sind die Begegnungen mit Menschen, Tieren und den Elementen der Natur. Die Fugen dazwischen sind die Beziehungen, die uns mit ihnen verbinden. Manche Fugen halten ein Leben lang, andere bekommen Risse, wieder andere bleiben offen. Der Umgang miteinander entscheidet darüber, wie fest ein Stein den nächsten hält – und damit über die Tragfähigkeit der ganzen Wand.

Diese Wand ist unser Leben. Ihr Sinn, ihre Aufgabe – ob Schutz, Halt oder Sein – zeigt sich erst im Laufe der Zeit. Wichtig ist: Jede Begegnung, jeder Stein, lässt die Wand wachsen. Es gibt in diesem Sinn keine schlechten Steine – alle gehören dazu. Wie in der Natur gleicht kein Stein dem anderen; jeder ist einzigartig. Doch erst der Kitt, die Fuge, macht aus vielen Einzelteilen ein Ganzes. Wie gut unsere Wand steht, hängt davon ab, wie sorgsam wir diese Verbindungen pflegen. Manchmal lösen sich Steine aus der Wand. manche zerfallen, weil die Zeit sie gezeichnet hat, andere geraten ins Rutschen, weil die Verbindung brüchig wurde. Sie hinterlassen Lücken, durch die der Wind pfeift und die uns an Vergänglichkeit erinnern. Doch die Wand bleibt bestehen, wenn wir die verbliebenen Fugen stärken und neue Verbindungen wagen.
Und dann gibt es Steine, die gar keine Steine sind. Sie sind anders – sie faszinieren, überraschen, ziehen uns magisch an. Sie stehen für etwas Größeres, das über die Wand hinausweist. Diese wertvollen Unikate pflegen wir besonders gut und bedingungslos denn sie sind die Essenzen des Lebens.
(von Markus Heinzer; Gedanken während dem Verfugen der Natursteinwand;
Loftwohnung in Schwyz)
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